Herbert Rösch, Württembergischer Fußballverband: „Vereine sind keine Orte der Seligkeit – wir sollten uns auf den Weg machen, demenzfreundliche Vereine zu schaffen.“

Sabine Reinhold stellt Herbert Rösch vor: dieser war von 1976 – 2005 Bürgermeister und Oberbürgermeister in Ostfildern; Mitglied des Vorstands der Gradmann-Stiftung, die u.a. die am ertsen Tag des AUFBRUCH vorgestellte Kampagne „Wir sind Nachbarn“ gefördert hat.


foto-11-roeschSabine Reinhold Herr Rösch ist zudem Präsident des Württembergischen Fußballverbandes und als solchem möchte ich ihm jetzt die Frage stellen: Was können Sportorganisationen in diesem Feld leisten - erste Frage also: Was tun sie? Was tut sich da, wenn die merken, da kommt jemand nicht mehr oder hat Schwierigkeiten?

Herbert Rösch: Ich glaube, da sind Vereine so wie alle anderen Menschen in unserem Lande auch zunächst einmal ein bisschen hilflos. Der Verein ist bestimmt kein Ort der Seligkeit, sondern er ist Spiegelbild auch unserer Gesellschaft. Ich habe mir vorher gedacht, wenn ich höre „demenzfreundliche Kommune", dann kann man auch sagen, wir sollten uns auf den Weg machen, demenzfreundliche Vereine zu entwickeln und zu schaffen. [Applaus]

Sabine Reinhold: Das ist ein gutes Vorhaben, klingt gut!

Herbert Rösch: Wir lernen da auch. Natürlich ist es in den Vereinen so, dass die weniger Kinder und mehr Älteren die Struktur der Vereine verändern. Vereine werden, wenn sie klug sind, sich mehr und mehr um ältere Menschen kümmern. Vereine sind ideale Netzwerke, das ist eine gute Voraussetzung, wenn Menschen, Familien Probleme haben mit ihren Angehörigen, haben sie dort eine Heimat und ich glaube, wir sind aufgefordert, die Vereine bereit zu machen, wenn zum Beispiel jetzt ein Mitglied dement wird, dass er trotzdem willkommen ist.

Sabine Reinhold: Das hat ja Frau Eisfeld vorhin erzählt, dass die Vereinskollegen ihres Mannes damit Schwierigkeiten haben. Wie kann man dann so etwas befördern - wie gehen Sie da ran?

Herbert Rösch: Viel darüber sprechen und einzelne Beispiele zum Muster nehmen für andere. Ich bin selbst Mitglied eines Sportvereins, 65 Jahre alt und auch in unserem Verein hat ein Freund von mir einen Schlaganfall bekommen. Wir haben schnell gelernt, wie groß die Einsamkeit seiner Familie ist, weil wir genau so sind wie alle anderen auch, wir tun uns schwer, hinzugehen, einen Besuch zu machen, sie einzuladen .... Wir sind da jetzt unterwegs und versuchen, besser zu werden, aber .... wir müssen uns anstrengen.

Sabine Reinhold: Auch da eine Frage von Schulung, denn ich kann mir auch bei dem, was wir heute Morgen erlebt haben, mit diesem wunderbaren Tanzlehrer, vorstellen, dass mitnichten alle Tanzschulen in Deutschland diese Aktivität bei ihren Mitstreitern haben - wie verbreitet man so etwas? Was können Sie sich vorstellen außer dem wirklich von Tür zu Tür gehen? Was kann ein Vereinspräsident da machen?

Herbert Rösch: Wir werden mehr und mehr passende Angebote für Ältere machen müssen, allein schon aus Überlebensgründen. Weil die weniger zur Welt kommenden Kinder bedeuten, dass wir schrumpfen. Wenn wir uns nicht um die Älteren kümmern, versäumen wir eine wichtige Klientel. Ich habe gestern zum Beispiel eine Idee mitgenommen - mein Heimatverein hat auch eine Tanzsportabteilung. Der kam bestimmt noch nicht auf die Idee, ein Angebot für Menschen zu machen, die an einer beginnenden Demenz leiden. Das nehme ich gerne mit und bin zuversichtlich, dass wir da etwas hinbekommen.

 

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