Eine Kommune auf dem Weg: Gießen

Name der Initiative/Aktion: Initiative „Demenzfreundliche Kommune Gießen"
Bundesland: Hessen
Einwohnerzahl der „Kommune": 74. 000

Kontakt:

Aktion Demenz
Karl-Glöckner-Str. 21 E
35394 Gießen
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefax: 0641 - 99 232 19
Telefon: 0641 - 40 195 70
(erreichbar jeweils am 1. und 3. Samstag, 9-12.00 Uhr )

Kurze Beschreibung der Initiative/ Aktion:

Bürgerinnen und Bürger Gießens werden unterstützt bei der Initiierung von Nachhaltigkeit in Bezug auf das Leben von hochaltrigen Menschen mit Demenz - Mobilisierung zivilgesellschaftlicher Kräfte in der Kommune Gießen, die sich zur Aufgabe setzen, ein gutes Leben mit Demenz („demenzfreundliche Kommune") mit und für Betroffene zu ermöglichen. Das Projekt wurde von der „Aktion Demenz" für 1 Jahr durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Bundesaktion „Bürger initiieren Nachhaltigkeit" ausgezeichnet und gefördert. Das Modellprojekt „Demenzfreundliche Kommune Gießen" wird nach Ende der Förderung rein ehrenamtlich weitergeführt. Das Ziel des Projektes war es, den Rahmen und erste praktische Schritte zum Aufbau einer demenzfreundlichen Kommune zu schaffen und Akteure zu finden, die sich der Aufgabe in Gießen weiterhin widmen wollen.

Entscheidend für die Lebenslage der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen in Gießen wird sein, inwieweit es gelingt, mit Hilfe des Engagements vieler Menschen die Selbständigkeit und Akzeptanz der Betroffenen zu stärken und sie in die Gemeinschaft der Kommune zurückzuholen. Dazu gehören sowohl entlastende Angebote für Angehörige von Menschen mit Demenz, als auch lebenserleichternde Hilfen für die Betroffenen selbst. Zudem sollte es zu einem Bewusstseinswandel kommen: Die Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen ist eine zivil-gesellschaftliche Aufgabe der Kommune als Gemeinschaft, die unseren Einsatz erfordert.

Wer ist an der Initiative/ Aktion beteiligt?

Ehrenamtliche Beteiligte, die durch die Expertenworkshops und das Bürgerforum für die Initiative gewonnen wurden und sich meist neben ihrer beruflichen Beschäftigung für das Thema engagieren.

Kooperationspartner:

Einzelpersonen aus Versorgung, Pflege und Handel, keine festen Kooperationsstrukturen sondern eher persönliche Kontakte, Gesprächsführungen.

Wer ist daran in welchen Rollen beteiligt?

Noch ist indirekt die Aktion Demenz federführend für das Projekt. Einzelne Initiativen werden aus der Initiativgruppe entwickelt und umgesetzt. Eine Vereinsgründung steht unmittelbar bevor.

Warum (bzw. in welcher Hinsicht) ist Demenz überhaupt ein Thema der Kommune?

Laut Statistik leben im Landkreis Gießen bereits 3.391 Menschen mit Demenz und die Tendenz ist steigend (Hess. Stat. Landesamt 2008). Nicht zu vergessen, dass jeder von uns einmal selbst an Demenz erkranken könnte. Betroffene und Angehörige sowie Personen aus dem pflegerischen, sozialen und medizinischen Bereich, sollen sich ebenfalls angesprochen fühlen. Wenn man bedenkt, dass meist 3-4 Personen im direkten Umfeld Mit-Betroffen sind, wird die Notwendigkeit zum Handeln nochmal deutlicher.

Wie finanziert sich die Aktion /Initiative?

Von 1. November 2006 bis 31. Oktober 2007 durch die Auszeichnung und Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der Bundesaktion „Bürger initiieren Nachhaltigkeit" - seit Auslauf der Förderung ohne finanzielle Mittel.

Über welchen Zeitraum läuft/ lief die Initiative/ Aktion?

Seit Ende 2006 und bisher ohne zeitliche Begrenzung.

Welche Aktivitäten/Inhalte beinhaltet/ beinhaltete die Initiative/ Aktion?

Durch Aufklärungsarbeit, gezielte Aktionen, nachbarschaftliche Hilfe und anderes bürgerschaftliches Engagement soll es gelingen, Gießen zu einer demenzfreundlichen Kommune weiter zu entwickeln.

Beginn, Anlage und Erweiterung eines "Demenz-Verteilers" für Gießen.

Vorbereitung, Einladung zum 1. Expertentreffen und Verbreitung von Informationen über das Projekt.

Aufruf in Lokalzeitung an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Erfahrungsberichte zu übermitteln.

31. Januar 2007 - Abhaltung 1. Expertentreffen DfK Gießen mit Personen aus dem auf den ersten Blick alltäglichen Umfeld von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, wie z.B. Mediziner, Pflegende, psycho-soziale Betreuer, Ehrenamtliche, usw. Aus Sicht der Stadt, der Pflege, von Angehörigen und der Medizin wurde die Situation in Gießen näher beleuchtet, Anregungen aus benachbarten Kommunen angenommen und diskutiert, Missstände aufgezeigt und nach Alternativen gesucht. Präsentation der vorläufigen Ergebnisse einer studentischen Projektgruppe. Die 30 Anwesenden haben ihr Interesse an einer weiteren Involvierung bekundet und ihre Kontaktdaten für die Erstellung einer Kartographie frei gegeben.

Sammlung von Ansprechpartnern für das 2. Expertentreffen, Ausweiten der Kontakte

9. März 2007 - 2. Expertentreffen DfK mit Beteiligten aus Wirtschaft, Dienstleistung und Verwaltung. Es kamen z.B. Vertreter eines Kaufhauses, der Polizei, der Krankenkasse, Apotheker.

25. April 2007 - Darstellung des Projektes auf dem Patientenforum des Uniklinikums Gießen "Demenz - eine Krankheit aber keine Schande"
2. Mai 2007 - Das vom Projekt veranstaltete "Bürgerforum Demenz - was können wir in Gießen tun?" ein sogenanntes Town Hall Meeting - hat in Gießen in der Kongresshalle stattgefunden (Vgl. auch www.aktion-demenz.de):

  • Moderierte Diskussion der Bürger (ca. 50 TN)
  • Input: Informationsmaterial, Reden, Experten am Tisch
  • Anwesenheit wichtiger Entscheidungsträger (z.B. Herr Oberbürgermeister Heinz Peter Haumann)
  • Entwicklung von Ideen
  • Verstetigung

Vorstellung des Projektes auf dem "Praxisforum Demenzfreundliche Kommune" des Vereins Aktion Demenz in der Lutherstadt Wittenberg und Austausch mit anderen Kommunen.

Nachtreffen zum Bürger-Forum, wo die Ergebnisse, Erkenntnisse besprochen, gebündelt und für das weitere konkrete Vorgehen ausgewertet wurden.

Laufend Vorstellungen der Initiative bei anderen Zusammenschlüssen, z.B. beim Gießener LOS-Projekt zur altersgerechten Infrastruktur, Seniorenkommission und - beirat, Wohnungsbau, Arbeitskreis Demenz und Leben, Stadtwerken, Karstadt, etc.

Die öffentlichkeitswirksame Präsentation von Forderungen und Zielen während der

Aktionswoche Demenz vom 17. bis 23. September 2007. Programm:

  • Ausstellung von Werken des von Demenz betroffenen Werbegraphikers Carolus Horn (Wie aus Wolken Spiegeleier werden") in der Volkshochschule Gießen
  • Jung und alt: Schulklasse trifft Altenheim. Informationsvormittag. Nach einer Einführung durch den Gießener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Dr. Rieke wird gemeinsam im Albert Oßwald Haus der Lehrfilm „Apfelsinen in Omas Kleiderschrank" angesehen und diskutiert.
  • Lesung: Erinnern und Vergessen. Literarische Texte zum Thema Demenz.
  • Infostand in der Gießener Fußgängerzone. "Knoten im Taschentuch" - was es heißt zu vergessen. Bürger sollen ihre "schönste Erinnerung" auf eine Postkarte schreiben. Diese werden gesammelt und ausgestellt. www.knoten-taschentuch.de
  • Tag der offenen Tür in der Wohngruppe Rödgen - Angehörige haben sich zusammengetan und eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz gegründet. Interessierte hatten Gelegenheit, sich näher zu informieren.
  • Filmvorführung zum Thema Demenz in einem Gießener Kino.
  • „...und hältst deine Hand über mir"
    Ökumenischen Gottesdienst für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mit anschließendem Kaffeetrinken.

(Beteiligung am Hessen-Workshop der Aktion Demenz auf Schloss Rauischholzhausen im März 2008)

und der Planung und Durchführung des Veranstaltungsprogramms 2008

  • Tanzcafé: „Darf ich bitten..."Für Menschen mit Demenz und deren Angehörige
  • Lesung: „Es schneit in meinem Kopf" Literatur und Poesie zum Thema Demenz
  • Ökumenischer Gottesdienst „Mitten im Leben" Für und mit Menschen mit Demenz und deren Angehörige
  • Memory-Mobil
  • Filmvorführung „Iris" und anschließende Diskussionsmöglichkeit

Die Aktionen sollten einerseits aufklären, sensibilisieren und andererseits Menschen mobilisieren, die sich zu dieser Thematik engagieren wollen.

Wer ist/ war die Zielgruppe?

Die Gesamtbevölkerung, Bürger/innen Gießens, Demenz geht alle an!
Menschen mit und ohne Demenz treffen tagtäglich an vielen Orten aufeinander - in der Familie, in speziellen Einrichtungen der Pflege und Betreuung, aber auch auf der Straße und beim Einkauf, in der Nachbarschaft, in öffentlichen Einrichtungen und Behörden.

Welche Erfolge wurden bisher erzielt?

Die Initiative ist zunehmend bekannt geworden, zahlreiche Kontakte sind entstanden, die Initiative läuft trotz Ablauf der Förderung weiter und die Veranstaltungen werden durchaus positiv aufgenommen. Stadt und Landkreis zeigt sich dem Thema gegenüber inzwischen offener.

Was ist für die Zukunft geplant?

  • Vereinsgründung
  • Ausweitung auf den Landkreis
  • Einbindung von weiteren Mitstreitern
  • Kooperationsgespräche
  • Veranstaltungsreihe 2009
  • Die Initiierung von Leserbriefen an die lokale Presse oder die Erstellung eines Flyers mit Erfahrungsberichten könnte Betroffenen eine Stimme verleihen und andere auf ihre Probleme aufmerksam machen.
  • Einwerbung von Mitteln
  • ...

Wie ist die Resonanz der Bürger?

Unterschiedlich, von „Damit hab ich nichts zu tun! ... Aber meine Tante hat Alzheimer." oder „Soziales Engagement? Das machen wir nicht!" über „Das habe ich so noch nie gesehen" und „Mehr Informationen zur Demenz wären hilfreich" bis hin zu „Endlich spricht man mal drüber!" und „Es ist unbedingt erforderlich, dass sich auch in der jungen Universitätsstadt Gießen Gedanken darüber gemacht wird!".

Gibt es Kooperationen mit anderen Vereinen, Firmen, etc.?

Keine feststehende Kooperation aber Kontakte zu sozialen Trägern, Krankenhäusern, Einrichtungen, Einzelhandel, Schulen, Stadtwerken, etc. die ausgebaut werden sollen.

Welche Schwierigkeiten, Stolpersteine gab es?

Auch wenn die Initiative „Demenzfreundliche Kommune Gießen" im Wesentlichen ehrenamtliches Engagement beinhaltet, so hat sich doch herausgestellt, dass es ohne finanzielle Mittel auf Dauer schwer sein wird, die Initiative am Leben zu erhalten. Es ist dringend erforderlich, Ressourcen für die Koordinierung und Organisation der Aufgaben zur Verfügung zu haben. Ebenso fallen Kosten für die Durchführung der Aktionen und Veranstaltungen an. Des Weiteren gab es zu Beginn Probleme, nicht als Konkurrenz für bestehende Strukturen und Angebote gesehen zu werden.

Woran machen die Träger der Initiative/ Aktion den Erfolg des Unternehmens fest?

Das Ziel des Projektes war es, den Rahmen und erste praktische Schritte zum Aufbau einer demenzfreundlichen Kommune zu schaffen und Akteure zu finden, die sich der Aufgabe in Gießen weiterhin widmen wollen. Auch nach Ablauf der Förderung hat die Initiative „Demenzfreundliche Kommune" auf rein ehrenamtlicher Basis weiter Bestand.

Wird die Initiative/ Aktion ausgewertet?

Nicht wissenschaftlich. In der Projektgruppe werden die einzelnen Veranstaltungen besprochen.

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