Bürgerforum Demenz, Gießen, 02.Mai.2007

Wie kann in Gießen eine Kultur des respektvollen Umgangs und der Begegnung mit Menschen mit Demenz geschaffen werden? Wie kann unsere Kommune im besten Sinne des Wortes demenzfreundlich werden? Das Bürgerforum Demenz soll Wege dahin finden!
Am 2. Mai 2007 15-19 Uhr waren deshalb alle Bürgerinnen und Bürger in die Kongresshalle Gießen - Berliner Platz 2 - zu einer offenen Veranstaltung eingeladen.



Demenzfreundliche Kommune Gießen / Ideen aus dem Bürgerforum am 2. Mai 2007 Rund 50 interessierte Bürger, Personen aus Verwaltung, Medizin, Pflege und Handel, Familienangehörige von Menschen mit Demenz, Ehrenamtliche und Studenten trafen sich am 2. Mai 2007 zu einem Bürgerforum, um gemeinsam zu diskutieren, wie eine demenzfreundliche Stadt aussehen könnte. Die Frage lautete: „Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 2017. Gießen ist eine demenzfreundliche Kommune. Wie sieht diese aus?" Als zentralen Gedanken entwickelten die Teilnehmer dabei vor allem die Bildung von Netzwerken. Betroffenen und Angehörige sollen sich so untereinander austauschen können. Für ehrenamtliche Helfer könnte zudem eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Vorschläge gemacht, wie man die Öffentlichkeit über das Thema Demenz informieren könnte.

„Was können wir in Gießen tun?"

Wir haben gefragt:
Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 2017. Gießen ist eine „demenzfreundliche Kommune". Wie sieht diese aus?
Das Zusammenleben zwischen den Betroffenen sowie ihren Angehörigen und der übrigen Bevölkerung hat sich entspannt (enttabuisiert). Die Anzahl der Menschen mit Demenz hat zugenommen aufgrund der demographischen Entwicklung.
Die Zeitspanne vom Beginn der Krankheit bis zu dem Stadium, wo die Kranken eine andauernde Betreuung benötigen, hat ebenfalls zugenommen. Also bleiben sie länger selbständig.

Die Angehörigen werden unterstützt:

  • Es gibt spezielle Angebote der Stadt (Urlaub und Betreuung), um Angehörige zu entlasten.
  • Es gibt eine demenzfreundliche Gastronomie, wo Angehörige mit Menschen mit Demenz einkehren können.
  • Es gibt mehr Pflegegeld für pflegende Angehörige.
  • Es gibt eine Demenzinfostelle, wo Angehörige jederzeit Unterstützung erfragen können.
  • Es gibt ausreichend bezahlbare Tagesbetreuungsangebote, damit die Angehörigen tagsüber berufstätig bleiben können.
  • Es gibt Freizeitangebote für Menschen mit Demenz.
  • Es gibt eine Zentrale, die „Alten-Sitter" vermittelt.
  • Es werden Sommerfeste für Angehörige und Menschen mit Demenz veranstaltet.
  • Es gibt regelmäßige Veranstaltungen/Treffen für Betroffene und Angehörige mit Musik, ana-log Altennachmittag, aber in kleinem, überschaubarem Kreis.
  • Ein Sorgentelefon für Angehörige und Betroffene ist in Gießen eingerichtet.

Das Wohnen ist demenzfreundlich:

  • Es gibt genügend Wohnraum, der Jüngere und Ältere (dementiell Erkrankte) zusammenführt, für Jüngere gibt es dabei z.B. ein Angebot kostengünstigeren Wohnraums, der die Attraktivität eines solchen Wohnens erhöht und das soziale Engagement fördert. (Möglichkeit Studentenprojekt - Wohnraum gegen Hilfe.)
  • Es gibt „gemischte" Wohnprojekte in der Stadt.
  • Es gibt kleinere, auf Demenz „spezialisierte", eingestellte Heime.
  • In Wohngemeinschaften leben Betroffene zusammen und werden vom Pflegedienst betreut.
  • Das Wohnen ist barrierefrei und dies wird bei Neubauten mit berücksichtigt.
  • Neue Wohnformen von „stundenweiser" Betreuung bis 24-Std. Versorgung in einem Haus haben sich etabliert.
  • Hausgemeinschaften haben sich gebildet, die sich gemeinsam für ihre Bewohner mit Demenz verantwortlich fühlen.
  • Es wird mit Phantasie an die Thematik herangegangen, Einfühlungsvermögen bewiesen - z.B. Aufstellung von rot-weißen Baustellen-Eingrenzungen und einer Arbeits-Schubkarre, um Weglauftendenzen zu verhindern.

Das öffentliche Leben ist auf Menschen mit Demenz eingestellt:

  • Kaufhäuser haben ihre Mitarbeiter/innen zum Thema Demenz geschult und aufgeklärt.
  • Die Geschäfte machen mit einem Zeichen (z.B.gezeichnetes leeres Quadrat, dahinter ein Fragezeichen) kenntlich, dass sie sich mit Demenz auskennen und Hilfe leisten.
  • Die Mitarbeiter in öffentlichen Einrichtungen sind geschult im Umgang mit Menschen mit Demenz. Dies ist eine Pflicht für alle.
  • Kaufhäuser stellen einen „Einkaufsbegleiter" zur Verfügung.
  • Straßennamen sind tiefer angebracht und gut lesbar.
  • Es gibt Wegweiser mit „klaren" Aussagen.
  • Straßenkreuzungen sind markiert.
  • Verbessertes Verkehrssystem, z.B. geschulte Busfahrer, deutliche Haltestellenansagen.
  • Nahverkehr (ÖPNV) Busse und Beförderungsunternehmen haben sich auf Menschen mit Demenz eingestellt (z.B. Niederflurbusse).
  • Toiletten in Supermärkten und anderen öffentlichen Stellen gehören kostenfrei zum Selbstverständlichen.
  • Ansprechpartner und Hilfspersonen für Demenz arbeiten in Krankenhäusern.
  • Es existieren ausreichende, adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz.
  • Es gibt einen „Demenzgarten", in dem sich Betroffene aufhalten, aber auch arbeiten können.
  • Es gibt einen Begleitservice für den Botanischen Garten, Fußball oder andere interessante Veranstaltungen.
  • So etwas gibt es auch für Behördengänge.
  • Menschen mit Demenz können ihre Kunst ausstellen oder eigene Texte veröffentlichen (auch Angehörige). Sie können ihre Erfahrungen im Internet oder in Zeitungen bekannt machen.
  • Der Sportkreis Gießen bildet Übungsleiter „Sport für Menschen mit Demenz" aus.

Das Thema Demenz ist enttabuisiert, man kann und soll darüber sprechen und sich auskennen.
2017 sind alle über 50jährigen durch ihre Krankenkasse per Bonussystem über Demenz und gesunde Lebensweise aufgeklärt.

  • Alle haben Zugang zu Informationen über Demenz.
  • In den Medien spielt das Thema eine Rolle.
  • Betreuungsverfügungen regeln die Wünsche im Fall von Demenz.
  • Es wurde ein Gesprächsleitfaden für ungeschulte Leute entwickelt (Basis im Umgang etc.).
  • Das Thema Demenz wird regelmäßig in Schulen besprochen.
  • Ein jährliches Stadtfest (oder sonstige Aktionen) bringt das Thema immer wieder ins Bewusstsein und sammelt Spenden.
  • Es finden regelmäßige Informationsveranstaltungen statt.
  • Es gibt einen „Demenz-Atlas" für Gießen und Umgebung.
  • Austausch zwischen jung und alt - generationenübergreifende Begegnungen.
  • Die professionelle Arbeit findet mehr finanzielle Unterstützung.
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