Praxisforum Demenz, Wittenberg, 08./09.Mai.2007

Das „Praxisforum Demenzfreundliche Kommune" fand am 8. und 9. Mai 2007 in der Lutherstadt Wittenberg statt.
Die Veranstaltung brachte etwa 50 Beteiligte aus unterschiedlichen Kommunen (in verschiedenen Stadien der „Demenzfreundlichkeit"), Mitglieder des Vereins und andere Interessierte zusammen, um sich besser kennen zu lernen, Potentiale zu entdecken und Verbindungen herzustellen (Beratung, Unterstützung, Partnerschaften).



Es gibt sie in der Tat: Städte und Gemeinden, die sich Gedanken machen, wie ihre Kommune Menschen mit Demenz besser unterstützen und einschließen könnte. Auf Einladung der AKTION DEMENZ e.V. trafen sich am 8. und 9. Mai in Wittenberg engagierte Menschen aus Städten und Gemeinden Deutschlands zu einem Workshop. Ziel war es, Erfahrungen auszutauschen und Ideen für kommunale und bundesweite Aktivitäten unter dem Motto „Demenzfreundliche Kommune" zu entwickeln.

Teilnehmer und Inhalt
Vor rund 50 Vertretern aus bundesdeutschen Kommunen, darunter Bürgermeister, Sozialplaner und Seniorenvertreter sowie Engagierte aus dem Bereich Pflege erläuterte Professor Dr. Reimer Gronemeyer die Ziele der von der AKTION DEMENZ angestoßenen Initiative „Demenzfreundliche Kommune": Das Thema Demenz soll im konkreten Nahraum, in den Städten, Dörfern und Gemeinden, breit thematisiert werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie eine Ausgrenzung von Menschen mit Demenz verhindert und ein offener, akzeptierender Umgang mit den Betroffenen und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden können. Im Kern geht es also um die „Schaffung einer Begegnungskultur und um das Knüpfen sozialer Netze der Freundschaft", so Gronemeyer in seinem einführenden Beitrag. „Die Botschaft lautet: „Demenz geht alle an und Menschen mit Demenz sind Nachbarn und Mitbürger".

Beispiele
Es war nicht die Absicht der Veranstalter, eine allgemeingültige Antwort auf die Frage zu geben, wie eine demenzfreundliche Kommune aussieht und wie sie zu erreichen ist. Mehrere Praxisvorträge zeigten jedoch Beispiele auf, wie diese Aufgabe in Kommunen bereits konkret angepackt wird: Aus Arnsberg und Gelsenkirchen (beide NRW) wurde berichtet, wie mit Mitteln der Bürgerbeteiligung, der Öffentlichkeitsarbeit und neuer Planungs- und Steuerungsverfahren das Thema „Leben mit Demenz in der Kommune" nachhaltig angegangen wird. In Halle (Sachsen-Anhalt) ist man ebenfalls dabei, dieses Thema unter Einbeziehung möglichst vieler Gruppen und Beteiligter zu bearbeiten. Durch Kooperation mit einer Hochschule in der Region können dabei zusätzliche Ressourcen genutzt und fruchtbar gemacht werden. Aus Gießen (Hessen) wurde über das BMBF-Projekt „Demenzfreundliche Kommune Gießen" mit einer Reihe von Aktivitäten berichtet, durch welche die dort öffentlich bislang kaum wahrgenommene Thematik Demenz in der Stadt publik gemacht werden soll. So entwarfen die Teilnehmer eines lokalen Bürgerforums ein Szenario, wie ein demenzfreundliches Gießen im Jahre 2017 aussehen soll und entwickelten eine Reihe von Ideen, durch welche konkreten Schritte sich dieses Ziel erreichen läßt. Die Vorschläge werden nun in Projektgruppen und anderen Arbeitszusammenhängen weiter bearbeitet und vorangetrieben. Unter dem Motto „Wir sind Nachbarn" startet demnächst in der Stadt Ostfildern (Baden-Württemberg) eine auf Nachhaltigkeit angelegte Kampagne. Im Mittelpunkt steht dabei das Bemühen, die Bürger auf eher ungewöhnlichen Wegen zu erreichen und zu sensibilisieren. Neben kulturellen Veranstaltungen (Filmabende, Lesungen, Theater, Musik) soll es Demenzschulungen für Gewerbetreibende, die Polizei und Mitglieder städtischer Vereine geben. Regelmäßige Pressebeiträge und eine zum Nachdenken provozierende Plakation runden die Veranstaltungen ab.

Diskussion und open space
Die Praxisbeispiele der fünf genannten Städte bildeten eine fruchtbare Grundlage für die weitere Diskussion. In mehreren Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmer Ideen, wie das Thema demenzfreundliche Kommune in ihrem Gemeinwesen verankert werden könnte. Dabei wurde deutlich, dass vielerorts bereits gute Anknüpfungspunkte bestehen. Am zweiten Tagungstag konnten alle Mitwirkenden noch einmal ihre ganze Kreativität entfalten. Im Rahmen einer so genannten Open Space Veranstaltung wurden Ideen für Aktionen zum Thema „Demenzfreundliche Kommune" entwickelt, die vor Ort in den Kommunen stattfinden können. „Essen mit Nachbarn", „Runder Tisch mit Menschen mit Demenz" oder „Gottesdienste für Menschen mit und ohne Demenz" waren nur einige der an diesem Tag geborenen Anregungen und Vorschläge.

 

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